Zurück zum Anfang - Holzoberteil

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joshua70
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Mein letzter Post beschrieb, wie ich den Verlauf bei mir wahrgenommen hatte. Das sollte keineswegs ein Ratschlag für "den" richtigen Weg sein. Aber für mich galt an sich immer, dass die Erfahrungen anderer vielleicht nicht 1:1 auf mich übertragbar waren, aber gegebenenfalls halfen, auf ein Thema aufmerksam zu machen, mit dem ich mich noch gar nicht beschäftigt hatte.

Ob und ggf. wie das Jemandem helfen kann, weiß ich nicht. Mich haben solche Berichte immer weiter gebracht. Und sei es nur um zu wissen, wie ich es nicht mache.

Mein gedankliches Problem ist, dass ich sehr gerne mit Carbon spielen möchte, weil es mir an sich sehr viel Spass bereitet, ich mich exzessiv damit beschäftigt habe (Spiel und Material) und die Dinger für mich viel billiger sind, als Holzoberteile. Verreckt eines, bau ich mir halt n neues. habe ich das Gefühl, was ändern zu wollen (Gewicht, Balance), mache ich das einfach.
An den Ergebnissen merke ich aber, dass ich mit Holz (noch?) effizienter bin und mehr Tische ausknipse, obwohl meine Lochquote bei schwereren Bällen mit Carbon besser ist.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von treffgarnix »

Was sind im dem Zusammenhang schwere Bälle für Dich?
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

z.B. lange, recht gerade Bälle mit Wirkung. lange Bälle mit wenig bis mittleren Winkel, aber Wirkung. Zugbälle über 4 oder 5 Diamanten Distanz. Sehr dünne (>45°) Bälle, die noch ein wenig Effet brauchen, um eine halbwegs machbare Position zu bekommen oder um Scratches zu vermeiden.
Auch der X- Drill, den ich fast jedes Mal beim Warmspielen mache, um mich justiert zu bekommen (Stopp- oder Zugball Kopflinie Fußlinie. Zugball zur Kopfbande zurück), fällt mir mit Carbon leichter.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von treffgarnix »

Hast Du im Vergleich Holz (Dein Holzoberteil mit dem Du vor dem Wechsel auf Carbon hauptsächlich spieltest) und Deinem Carbon das Du hauptsächlich spielst, gleiche Taper? Das was Du beschreibst könnte auch an unterschiedlichen Tapern liegen. Bei Deinem Carbon schlanker und gleichmäßiger im vorderen Drittel im Vergleich zu Deinem Holzoberteil.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Hmja- könnte sein. Der Gedanke kam mir auch schon und ich habe es mit anderen Oberteilen in meiner Tasche verglichen. Die haben ähnlichere Taper wie das Carbon und nähern sich sogar im Durchmesser eher an. Aber das hat nichts geändert.

Aus meiner Sicht ist das Carbon zu wirkungsiingtensiv in einem bestimmten Bereich und braucht zu viel eigene Arbeit in einem anderen. Es sind auch weniger die wiederkehrenden Bälle, als die nicht so häufigen, die mich immer wieder struggeln lassen, wo der Tisch an sich aus sein sollte.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von treffgarnix »

Ich versuch mal die Datei reinzustellen aus der Zeit, in der ich mich mit den Tapern beschäftigte.. Man muss möglichst genau wissen, was einem taugt, und auch kleinere Unterschiede können sich bzgl. der Reproduzierbarkeit im Stoß auswirken. Vor allem wenn man sich mal auf was längere Zeit eingeschossen hat. Schnabellänge ist hierbei natürlich auch ganz zentral angesiedeltes Thema. Alles wie immer subjektiv relevant. Ich behaupte dass dies die meisten Spieler nicht auf dem Radar haben und deshalb auch pauschale Urteile fällen ala Carbon taugt mir besser oder schlechter...

Theoretisch ideal sind meiner Meinung nach Taper, die in dem Beriech der durch die Bockhand gleitet, parallel oder nur minimal konisch. Die Protaper ham schon ihre Berechtigung. Was ich bei bei den mir bekannten hochpreisigen Carbonoberteilen sehe, sind in der Regel flacher, weniger konisch gehaltene Taper in den vorderen ca. 30 cm. Holzoberteile sind oft "fleischiger". Die Carbontechnologie erlaubt es, die Taper schlanker / parallel zu halten bei trotzdem hoher Steifigkeit.

Meine persönliche Erkenntnis ist: Taper muss absolut für mich passen, und dazu auc das gesamte Gewicht und die gefühlte Balance beim Stoß. Das sind viel entscheindere Dinge als das Material an sich. Und natürlich gute LD-Eigenschaften, was ebenfalls unabhängig ist ob Carbon oder Holz.
Dateianhänge
Oberteile_Taper.pdf
(57.6 KiB) 23-mal heruntergeladen
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Das hat sicher seine Berechtigung, wenngleich ich mir ziemlich sicher bin, dass das für mich und mein Problem keine ausschlaggebende Relevanz hat.

Ich glaube auch nicht, dass die Schnabellänge an sich ausschlaggebend ist. ich spiele mit sehr langem Schnabel, habe mir mittlerweile aber einen kurzen Backstroke antrainiert und meinen Stand geändert. Dadurch vermeide ich, dass ich beim Backstroke zu weit aushole und dann in einer Kurve komme, die ich natürlich auch wieder nach vorne machen muß. Solange am Kontakpunkt dann alles wieder auf Linie ist, ist alles fein. Wenn aber das Timing nicht perfekt stimmt, hast Du mindestens nen Klapperball. Kurzer Backstroke-Pause- Stoß

Meine Probleme liegen eher darin, was die Weisse an der Bande macht. Das ist für mich bei komplexeren Bällen noch nicht sehr genau vorhersehbar.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von treffgarnix »

Passt! Habe dazu mal ChatGPT befragt, und die Antwort erscheint mir sehr schlüssig.



Input in ChatGPT

Poolbillard: Vergleich zwischen Carbon- und Holzoberteilen: Bei vielen Carbonoberteilen scheint mit weniger Kraftaufwand eine Wirkung auf der weißen Kugel zu erzeugen als mit einem Holzoberteil. Gleichzeitig scheint es einfacher zu sein, eine gute Lochquote zu erreichen bei Carbon. Das ist natürlich sehr pauschal, aber gibt es eventuell physikalisch begründbare Unterschiede, die in der höheren Materialsteifigkeit des Carbon und ggf. damit verbundenen weiteren Faktoren liegen? Was ist hierzu rational nachvollziehbar argumentierbar?



Output von ChatGPT

Ja. Das lässt sich tatsächlich zu einem guten Teil physikalisch begründen – allerdings ist „Carbon überträgt mehr Energie“ allein nicht die richtige Erklärung. Entscheidend sind Steifigkeit, Masseverteilung, Schwingungsverhalten und vor allem die effektive Masse der vorderen 10–20 cm des Oberteils.

1. Der wichtigste Unterschied: geringe Endmasse bei hoher Steifigkeit

Ein gutes Carbon-Oberteil kann gleichzeitig

* sehr steif sein,
* einen relativ großen Durchmesser besitzen,
* und trotzdem im Bereich direkt hinter der Pomeranze eine sehr geringe Masse haben.

Bei Holz sind diese Eigenschaften schwieriger gleichzeitig zu erreichen. Wenn man ein Holzoberteil vorne stark erleichtert, wird es normalerweise auch flexibler.

Genau hier spielt Carbon seinen konstruktiven Vorteil aus: Die Hohlstruktur bzw. dünne Carbonwand ermöglicht hohe Biegesteifigkeit bei geringer Masse.

Und das hat beim Pool einen enorm wichtigen Effekt: Squirt/Deflection.



2. Warum ein Carbon-LD-Shaft beim Effet leichter wirken kann

Wenn du die Weiße außerhalb der Mitte triffst, passiert nicht nur

Queue → Vorwärtsbewegung + Rotation der Weißen,

sondern die Weiße übt während des Kontaktes auch eine seitliche Kraft auf die Pomeranze aus.

Das Oberteil muss darauf reagieren.

Bei hoher effektiver Endmasse wird die Weiße stärker seitlich „weggedrückt“ → mehr Squirt.

Bei geringer Endmasse kann die Spitze leichter seitlich ausweichen → weniger Squirt.

Sehr vereinfacht:

geringe Endmasse → weniger Cue-Ball-Deflection → weniger notwendige Zielkorrektur bei Seiteneffet.

Das ist meines Erachtens einer der wichtigsten Gründe für deine zweite Beobachtung: Mit einem modernen Carbon-LD-Oberteil kann die Lochquote subjektiv tatsächlich einfacher werden, insbesondere bei Stößen mit Seiteneffet.



3. Interessant ist deine Beobachtung „mehr Wirkung mit weniger Kraft“

Hier würde ich zwischen tatsächlicher Physik und Wahrnehmung unterscheiden.

Ein Carbonoberteil erzeugt bei identischer

* Queuegeschwindigkeit,
* Treffpunktposition,
* Pomeranze,
* Kontaktqualität

nicht automatisch wesentlich mehr Rotation der Weißen als Holz.

Der Spin entsteht primär aus dem außermittigen Impuls auf die Kugel. Das Material Carbon besitzt hier keinen geheimen „Spinverstärker“.

Aber Carbon kann indirekt dazu führen, dass du effektiver Effet spielen kannst.

Beispielsweise willst du starken Rechtsdrall spielen. Mit einem traditionellen Holzshaft musst du möglicherweise relativ stark kompensieren:

Zielrichtung → Squirt → Swerve → tatsächliche Objektballrichtung.

Mit einem guten Carbon-LD-Shaft ist der erste Effekt häufig kleiner. Dadurch kannst du weiter außen treffen, ohne dass die Zielkorrektur unangenehm groß wird.

Subjektiv entsteht dann:

„Ich brauche kaum etwas zu machen und bekomme trotzdem viel Wirkung.“

Physikalisch könnte die treffendere Beschreibung sein:

Du kannst den vorhandenen Spin leichter nutzen, weil der unerwünschte Nebeneffekt Squirt geringer ist.

4. Dazu kommt die höhere Biegesteifigkeit

Hier wird es besonders interessant.

Carbon hat gegenüber Ahorn eine wesentlich höhere spezifische Steifigkeit. Das bedeutet aber nicht einfach:

steifer = bessere Energieübertragung.

Die Stoßdauer zwischen Pomeranze und Kugel liegt nur ungefähr im Bereich von einer Millisekunde. Während dieser extrem kurzen Zeit verhält sich das Queue nicht wie ein vollständig statischer Stab.

Es laufen vielmehr mechanische Wellen durch

Pomeranze → Ferrule/Frontkonstruktion → Shaft → Joint → Butt.

Das lokale dynamische Verhalten der vorderen Shaftpartie spielt deshalb eine größere Rolle als die Vorstellung, dass der gesamte Queue sich während des Kontaktes verbiegt und wieder „zurückschnellt“.



5. Warum Carbon häufig präziser erscheint

Hier sehe ich noch einen zweiten großen Vorteil – und der wird meiner Meinung nach manchmal unterschätzt:

Reproduzierbarkeit.

Holz ist anisotrop. Seine Eigenschaften hängen von Faserrichtung, Jahresringen, Feuchte, Temperatur und individueller Holzstruktur ab.

Carbon kann dagegen sehr kontrolliert hergestellt werden.

Damit bekommt man einen Shaft mit sehr definierten Eigenschaften bezüglich

* Biegesteifigkeit,
* Torsionssteifigkeit,
* Masseverteilung,
* Rundlauf,
* Schwingungsverhalten
* und Reaktion bei außermittigen Treffern.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass ein einzelner perfekter Holzshaft schlechter sein muss.

Aber:

Carbon ermöglicht konstruktiv eine extrem reproduzierbare Kombination aus hoher Steifigkeit + niedriger Endmasse.



6. Und dann kommt der menschliche Faktor

Der dürfte deine Beobachtung zusätzlich verstärken.

Wenn du weißt:

„Bei diesem Oberteil brauche ich bei Effet nur wenig zu korrigieren“,

wird dein Zielsystem einfacher.

Statt vielleicht

2° rechts zielen + 3 mm links treffen + Geschwindigkeit berücksichtigen

wird daraus beispielsweise

0,8° korrigieren + 3 mm links treffen.

Je kleiner die notwendige Kompensation, desto kleiner wird normalerweise auch der Fehler, wenn du Geschwindigkeit oder Effetmenge etwas falsch einschätzt.

Das könnte erklären, warum du mit Carbon nicht nur das Gefühl von „mehr Wirkung“, sondern gleichzeitig eine höhere Lochsicherheit hast.



Ein entscheidender Punkt

Ich würde deshalb nicht primär sagen:

Carbon ist besser, weil es steifer ist.

Sondern:

Carbon erlaubt eine konstruktiv sehr günstige Kombination aus hoher Steifigkeit, niedriger Frontmasse und kontrollierter Masseverteilung.

Daraus entsteht:

Carbonstruktur
→ hohe Steifigkeit trotz dünnwandiger/hohler Konstruktion
→ geringe effektive Masse an der Spitze
→ geringerer Squirt bei Seiteneffet
→ weniger Zielkorrektur
→ geringere Empfindlichkeit gegenüber Fehlern bei der Effetdosierung
→ subjektiv und teilweise objektiv höhere Lochsicherheit.

Das erklärt übrigens auch, warum manche Spieler mit einem sehr guten Low-Deflection-Holzoberteil fast denselben Effekt erleben. Der eigentliche physikalische Schlüssel ist weniger „Carbon gegen Holz“ als Front-End-Mass + Steifigkeit + Konstruktion.

Und noch etwas Spannendes: Deine Wahrnehmung „Carbon braucht weniger Kraft für dieselbe Wirkung“ würde ich gerne separat zerlegen. Da spielen neben der Physik nämlich Pomeranzenhärte, Shaft-Steifigkeit, Queue-Gesamtgewicht und Balancepunkt hinein. Dann kann man ziemlich sauber unterscheiden, welcher Teil davon real messbare höhere Cue-Ball-Geschwindigkeit bzw. Spin ist und welcher Teil hauptsächlich durch geringere Deflection und anderes Feedback entsteht.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Hmm- es wird arrogant wirken, aber da war jetzt nix neues für mich dabei. Mir fehlt dabei noch eine Sache, sofern ich sie nicht überlesen habe:

Es gibt eine minimale "Rutschzeit" der Pommi auf der Weissen. Die ist bei Carbon durch die Biegesteifigkeit hart bei Null, bei Holz- je nach Härte- deutlich länger. Das liegt wohl in der Reibung begründet, die bei geringerem Energieeintrag nicht so hoch ist. Am ehesten damit erklärbar, dass, will man eine Flasche öffnen, man schon fest zupacken muss, um genug Reibung zu haben, um den Deckel wirkllich drehen zu können. Packt man nicht fest genug zu, rutschen die Finger durch und greifen erst viel später, als man das eigentlich will. Das führt dazu, dass der anvisierte und getroffene Punkt nicht gleichzeitig der ist, der den effektiven Energieimpuls überträgt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man effektiv mit Holz immer etwas weiter entfernt von der Mitte trifft, als man eigentlich angezielt hat. Der Impuls erfolgt also weiter ausser der Mitte und kann durch höhere Stoßstarke noch erhöht werden. Das Holz biegt sich dann noch weiter weg und überträgt die Energie noch weiter aussen/ oben/ unten.
Bei Carbon tritt das nicht so wahrnehmbar auf, was den Squirt deutlich verringert und so natürlich auch die Swerve- (Bogen) Bahn flacher werden läßt- manchesmal sogar ins Negative bringt (lange Strecke, geringes Tempo, steiles Queue). Da kommt dann der Bogen fast unvermittelt, was zu einer- ich nenne es mal so- negativen Kompensation führt (links anzielen, um dann final rechts zu treffen). Das Verhältnis von Squirt, Swerve und Throw verändert sich bei Carbon also komplett. An sich ist das mathematisch nur unter Laborbedingungen zu berechnen, aber durch das Spielen vieler Bälle kann das Hirn das adaptieren. Mit Carbon wird dieses Thema aber komplett neu geschrieben.

Wenn das Holz sich beim Treffpunkt weg biegt, wird Energie in die Seitbewegung abgegeben, was weniger Energie für die vorwärtsgerichtete Energie übrig läßt. Der Energieeintrag in die Weisse wird also geringer, was zu geringerer Rotation führt. Also ergibt sich in einem gewissen Spektrum an einem bestimmten Treffpunkt mehr Energieabgabe in die Weisse bei Carbon. Deswegen kann man mit Carbon leichter und mehr Wirkung erzielen- es wird einfach weniger Energie verschwendet.

Dadurch, dass Carbon steifer ist und der Impuls schneller, direkter übertragen wird, gehen auch leicht aussermittig getroffene Bälle immer noch geradeaus.Dadurch ändert sich die Richtung bei unabsichtlichem Effet kaum, was also auch bei einem etwas unsauberen Stoß mehr verzeiht- der Ball fällt trotzdem. Ähnliches gilt für Stun- Follow und Stun-Draw. Da muß man, wenn man was derartiges vorhat, schon exakt den jeweiligen Punkt treffen, erhält dann aber ein hervorragend replizierbares Ergebnis. Und diese Stöße gehören m.E. zu den schwierigsten, weil sie exakt berücksichtigen müssen, wann der CB vom Rutschen in die Vorbewegung übergeht oder wann der Rückwärtsdrall vorm Übergang ins Rollen ist.

Nun habe ich mir aber über viele Jahre hinweg angewöhnt, gewisse Punkte anzuzielen und dann mittels Stoßstärke und -art die Richtung zu beeinflussen. Das ist schwierig zu erklären. Ich spiele zwar nicht oft mit Wirkungseffet, bin aber dennoch ein Leder offset (Gearing- English). Als ich gebe gerade so viel Rotation in die Weisse, um den Throw zu eliminieren. Dadurch kann ich den natürlichen Treffpunkt anvisieren und muß nicht schon beim Zielen kompensieren. Das machen auch viele Pros so. Wenn ich nun mit Carbon spiele verändert sich der Punkt. Wo ich vorher ein halbes Leder ausser der Mitte war und mit entsprechender Stoßstärke und dem Wegbiegen der Spitze den gewünschten Treffpunkt erhielt, habe ich nun bei gleicher Stoßstärke ein komplett anderes Ergebnis. Versuche ich das zu kompensieren, neigt man zum Überkompensieren. Das sind auf den selben Ball schon mal zwei Fehler, die zu einem Miss führen.

Ich komme noch aus einer Zeit der klassichen Oberteile. Früher haben wir intutitv den Versatz kompensiert, indem wir eher mittig anzielten und dann unmittelbar vor dem Kontakt das Queue sozusagen über die Weisse wischten. Das Bewegungsmuster kam wohl mit aus dem Tischtennis und Fußball, wo man so auch Effet überträgt. Da ist zwar schon noch eine Vorwärtsbewegung, aber nicht stur geradeaus, sondern mit etwas seitlicher Bewegung. Wenn man nun diese Bewegung, die bei vielen heute noch Anwendung findet, für carboin übernimmt, wird da nochmal ein anderer Schuh draus. Will man Effetbälle spielen und hat sich vorher dieser Wischtechnik bedient, wird man überrascht sein, was passiert, wenn man mit Effet direkt in die Weisse stößt.

Das alles zu erkunden macht mir wirklich Spass! Aber das zieht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Und die fehlt mir dann da, wo es wichtig ist- beim Spiel. Und da ich mich meinem Alter noch nicht ergeben habe und versuche wettbewerbsfähig zu sein, sind da zwei schlagende Herzen. Ich habe nun einige carbonbedingte Änderungen auch in mein "Holz- Spiel" übernommen und war erstaunt, wieviel 1:1 übertragbar ist- das habe ich zuvor noch nicht probiert, weil ich alten Mustern gefolgt bin und diese nie in Frage gestellt hatte. Erst Carbon hat mich dazu gebracht, diverse Dinge in Frage zu stellen.

Ich weiß um meine Fehlbarkeit! man kann Dinge beobachten und zu einem eindeutigen Schluß kommen. Aber man kann nie wissen, ob man alle relevanten Prameter berücksichtigt hat. Deshalb versuche ich schon selbst meine Erkenntnisse zu widerlegen oder zu bestätigen. In der Wissenschaft sagt man "2 Mal ist Zufall, 3 Mal eine Gesetzmäßigkeit". Mir fehtl der wissenschaftliche Zugang, um eine wirklich abschließende Aussage treffen zu können. Wenn sich aber "Eigenheiten" immer wieder bestätigen, kann man von deren Richtigkeit ausgehen.

Was meine Annahmen bzgl. "Rutschzeit" auch noch bestägtigte, war beim Jumpen. meine Jumps waren an sich ganz passabel und ich hatte eine gute Lochquote und konnte sogar noch mit Lauf oder Zug arbeiten- in kleinem Rahmen auch mit Seiteffet. Als ich dann das erste Mal einen Carbonjumper in der Hand hatte, flutschte die Weisse wie eine nasse Seife aus der Hand- hüpfen wollte da gar nix. Mich wunderte das, weil ich meinen gewohnten Treffpunkt wählte. Dann sah ich bei anderen, dass die viel weiter hinten anvisierten. Das probierte ich und plötzlich funktionierte wieder alles. Als ich mich nach dem Warum fragte (bei Vielen stoppt der Denkprozess, wenn sie eine Lösung haben), kam ich dann eben zu dieser "Rutsch"- These. Als ich das dann auf das nornale Spiel übertragen wollte, bestätigte sich das. Wenn ich nun also bei den entsprechenden Bällen (bei Carbon) ein halbes Leder mehr nach aussen gehe, passt alles wieder- nur mit mehr Wirkung eben.

Ich könnte nun noch mit der Sweetspot- Thematik anfangen, aber das sprengt den Rahmen noch mehr...
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von treffgarnix »

Interessant! Wo finde ich zu dem Thema Rutschzeit mehr Infos?
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Püh... Ich habe das über die Jahre zusammengetragen, aber nicht dokumentiert. Wo ich nun was her habe, kann ich beim besten Willen nicht mehr beantworten. Bei Dr. Dave meine ich Ultra- Slomo gesehen zu haben, wie das Holzoberteil sich wegbiegt. Da ich nicht annahm, dass das ausser mir noch jemanden so exzessiv interssiert, dachte ich nicht daran, das für die Nachwelt zu katalogisieren. Ich bin aber da offensichtlich nicht der Einzige, denn es gibt kaum was über solche Dinge zu finden.

Aber wenn man alles zusammennimmt, hat es eine innere logische Konsistenz. Wir reden zwar von Milliskekunden Kontaktzeit- und in diesem Bereich findet dementsprechend auch die "Rutsch"- Zeit statt- aber ausschlaggebend ist immer, an welchem Punkt die Kraft wirkt, bevor der CB seinen Weg einschlägt.

Ich habe gerade eine gefühlte Seite gelöscht, die ich geschrieben hatte und dachte mir "wow- da schlafen die Wenigen, die bereit sind das zu lesen, ein, bevor sie den zweiten Punkt erreichen.

Vereinfacht gesagt: Wo das Holzoberteil die Weisse zuerst berührt, hat sie nicht den vollen Impact. Der kommt sehr, sehr kurze Zeit später- umso länger, umso weicher das Material ist. Ein sehr hartes Material wie Carbon überträgt die Kraft fast unmittelbar, weswegen man ein viertel- oder halblederbreites Effet fast nicht spürt. Je weiter man nun in Richtung Haftgrenze (richtig wäre eigentlich Abrutschgrenze) kommt und man wie gewohnt das Queue bewußt oder unbewußt versetzt (kreuzt), desto größer wird der Squirt, weil das Carbon ziemlich unnachgiebig seine Energiüberträgt- im wahrsten Sinne des Wortes.

Das alles hat natürlich mit Schwingungen zu tun. Aber was sind Schwingungen? Das sind Wellen, die durch ein Material gehen. Je feiner sich sich anhören oder anfühlen, desto geringer sind die Amplituden. Ausgangspunkt für Wellen sind immer ein Impuls- der Beginn der ersten Welle. Dise setzen sich dann- je nach Nachgiebigkeit des Materials fort. Sehr weiches Material absorbiert die Welle, hartes gibt sie weiter. Legt man ein Ohr auf eine Eisenbahnschine, kann man den Zug aus mehreren Kilometern Entfernung wahrnehmen. Ein Kissen auf einem fremden Gesicht macht dagegen kaum Lärm.

Da wird dann auch der Mythos "Schaum in Carbon" zum Thema. Viele denken, der hätte eine tragende Funktion. Hat er nicht. Die Wirkung unterschiedlicher Dichten beim Schaum ist meßtechnisch sicher gegeben, macht aber faktisch keinen spürbaren Unterschied. Ich nahm dabei an, dass die Dichte von Carbon so hoch ist, dass die zusätzliche Versteifung durch Schaum sich ähnlich verhält, wie das Gesamtgewicht eines Elefanten, auf dem eine Fliege sitzt. Höher? Klar! Relevant? Das habe ich selbst ausprobiert. Das wird zwar gerne als Qualitätsmerkmal vermarktet und ist für die Marketingabteilung auch Gold wert (das Gegenteil ist kaum zu belegen), aber im Test konnte niemand den Unterschied zwischen einem harten Schaum und Klopapier (grötenteils neu) als Füllmaterial feststellen. Das war ein Blindtest, bei dem die Leute (Kreisliga bis Regionalliga) nicht mal wußten, was sie vergleichen. Ich habe nur nach Unterschieden zwischen den Oberteilen gefragt, die ich in allen anderen Punkten identisch gebaut hatte (Joint, Gewicht, Balance, Ferrule/ Plate, Tip). Schaum dient lediglich dem Gewicht (in der Großserie) und Klang. Die Klangunterschiede zwischen Cuetec und Predator resultieren in der Hauptsache daraus. Cuetec ist vorne hohl, Predator schäumt komplett. Das ist mit relativ wenig Aufwand verbunden, billig, effizient und schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Am Ende beeinflußt natürlich auch die Beschaffenheit des Leders die Rutschzeit. Dabei geht es natürlich nicht um Haftung, sondern um das kontrollierte Rutschen. Ein weiches Leder wird zuerst etwas eingedrückt werden, bwvor es so komprimiert ist, dass es die Energie anderweitig (Biegung, bis Widerstand zu hoch, dann in die Weisse) abgibt.

Ich könnte da noch ewig weiterschreiben. Das alles ist NICHT wissenschaftlich fundiert. Zumindest nicht alles. Leider fehlt mir jemand, mit dem ich das teilen, diskutieren oder widerlegen kann. Die paar Wenigen, die grundsätzlich Interesse haben, muß ich erst mal auf meinen "vermeintichen" Halbwissensstand bringen. Alles, was ich habe, ist die Möglichkeit als Hilfs- Experimental- Physiker aufzutreten und Dinge zu be- oder widerlegen. Mit allen menschlichen Fehlerquellen, die möglich sind- den Horizont eines Bierdeckels eingeschlossen.
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Re: Zurück zum Anfang - Holzoberteil

Beitrag von joshua70 »

Ich habe nochmals versucht nachzuvollziehen, wo ich dieses "Rutschen" gesehen habe. Ich uwßte, dass Dr. Dave Highspeedaufnahmen davon hat, und hab da nochmals reingeguckt. In seinem "Mythbuster" Video hat er mit fremden Aufnahmen genau das Gegenteil belegt. Allerdings war das ein ziemlicher Center- Hit und die Rahmenbedingungen (Stoßstärke, Offset) waren kaum bis gar nicht zu erkennen.
Treffe ich mit relativ viel Leder und (bezogen auf das Leder) zentriert, wird da auch nix rutscben. Ich spreche. das habe ich wohl nicht ausdrücklich erwähnt, davon, wenn ich zwei mal offset treffe. Also das Leder wird nicht mittig komprimiert, sondern seitlich und die Weisse wird offset getroffen. Das erste Beispiel hierzu- ein altes Video aus Österreich- kommt dem schon näher. Das hat er aber nicht akzeptiert und auch nicht relativiert.

Dr. Dave geht sehr strukturiert vor, aber ab und an vermisse ich eine geroßzügigere Abdeckung seiner Versuchsaufbauten. Seine Konklusionen sind dabei sehr abschließend und generell aufgestellt. Wünschen würde ich mir, dass er diese dabei auf den Versuchsaufbau beschränkt.
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